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Kreisliga A Darmstadt

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Interview mit Hahns Trainer Oliver Schnepper - "Mein Ziel ist der Aufstieg mit dem SV Hahn"

Oliver Schnepper Bild: Thomas Raaf Oliver Schnepper
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Der SV Hahn ist seit dem ersten Spieltag unangefochtener Tabellenführer der Kreisliga A Darmstadt und schickt sich an nach vielen Jahren wieder in die Kreisoberliga aufzusteigen. Trainer Oliver Schnepper stand für ein Interview zur Verfügung und beschreibt die aktuelle Lage beim Pfungstädter Stadtteilklub.

Herr Schnepper, nach Jahren der Tristesse in Hahn, in den letzten 10 Jahren fand sich der SV immer im Tabellenniemandsland wieder, ist seit ihrem Amtsantritt im Winter 2013 die Euphorie entfacht worden. Was haben Sie in Hahn gemacht?

Ich habe versucht in Verbindung mit unserem Spielausschussvorsitzenden Rüdiger Paul und den Möglichkeiten, die der Verein hergibt, den Kader zu verbessern. Ich habe versucht meine Spielidee durchzusetzen, die vorhandenen Spieler zu verbessern und dadurch sportlich erfolgreich zu sein. Also alles nichts Außergewöhnliches, weil sich das sicherlich jeder Trainer zur Aufgabe macht. Ansonsten habe ich als Trainer das Glück, dass ich diese Mannschaft trainieren darf und dass alle Spieler diesen Weg gemeinsam mit mir gehen.

Hahn hat 8 Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten, musste am 7. Spieltag die einzige Niederlage hinnehmen. Ihre Mannschaft ist unangefochtener Tabellenführer und ist seitdem seit 13 Spielen ungeschlagen, sie stellt mit bisher 14 Gegentoren die beste Abwehr der Liga und schießt im Schnitt 3 Tore pro Spiel. Was sind die Gründe für diese Superlative? Was macht ihre Mannschaft so stark?

Sicherlich sind wir momentan sehr erfolgreich, aber ich halte nicht viel von diesen Statistiken. Einmal ist es die Zusammenstellung des Kaders, zum anderen setzt die Mannschaft meine Vorgaben in dieser Saison bis auf wenige Ausnahmen sehr gut um. Die Mannschaft lebt von Ihrem guten Teamgeist und der guten Stimmung auf der Auswechselbank. Eine Mannschaft ist nun mal nur so gut, wie die Stimmung auf der Auswechselbank. Außerdem trainieren wir sehr intensiv, denken nur von Spiel zu Spiel, bleiben bodenständig und bescheiden und versuchen an den Spieltagen um jeden Punkt zu kämpfen.

Hat Sie der Erfolg überrascht oder war Ihnen von vornherein klar, dass man in Hahn etwas aufbauen kann?

Ich wusste dass hier in Hahn auch unter den geringen finanziellen Möglichkeiten etwas möglich ist. Als ich übernommen habe, war schon ein gewisses Gerippe vorhanden, das allerdings in der Zusammenstellung als Team einfach nicht in der Lage war, sportlich etwas erfolgreicher abzuschneiden. Trotzdem hat mein Vorgänger gute Arbeit gemacht und unter den damals gegebenen Umständen das Maximale herausgeholt. Als weiteren Pluspunkt empfand ich den neuen Sportpark, der einem als Trainer und Spieler beste Trainings- und Spielmöglichkeiten gewährleistet. Letztendlich waren es aber auch die Gespräche mit den Verantwortlichen, in denen beide Parteien schnell feststellten, dass man sich, was Vorstellungen und Ideen betraf, auf gleicher Wellenlänge bewegte. So gingen wir die Sache an und haben Jahr für Jahr ein bisschen an dem Kader gebastelt, so dass wir -Stand heute- eine konkurrenzfähige und schlagkräftige Mannschaft beisammen haben.

Gab es in der Winterpause personelle Veränderungen? Wie bringen diese Sie weiter?

Wir konnten im Oktober Ricco Holz von RW Darmstadt II für den Sportverein gewinnen. Er ist ein charakterlich einwandfreier Spieler, der schon unter meiner Regie bei RW Darmstadt II gespielt hat. Er hat unsere Möglichkeiten in der Offensive bedeutend verbessert und ließ sich zudem problemlos in die Gruppe integrieren. Als Alternative für die Innenverteidigung kam Christoph von Oesen von der FTG Pfungstadt. Auch er ließ sich gut integrieren, ist sehr engagiert dabei und stand, wie Ricco Holz, in den letzten beiden Spielen in der Anfangsformation. Zu guter Letzt schloss sich Phil Henri Klüh dem SV Hahn an. Er ist ein junger, talentierter Fußballer, dem allerdings in der Winterpause eingefallen ist, dass er durch Studium und Tennis wenig anwesend sein kann.

Das Programm nach der Winterpause hat es in sich. SKG Roßdorf (3., 1:0 Sieg), TSG 46 Darmstadt (5., 2:2), FC Ober-Ramstadt (2.), SKG Gräfenhausen (3.), DJK/SSG Darmstadt (6.) sind alle im oberen Tabellendrittel zu Hause und wollen den SV Hahn noch abfangen. Wenn Sie hier unbeschadet herauskommen, ist Ihnen die Meisterschaft nicht mehr zu nehmen, oder?

Das Anfangsprogramm hat es tatsächlich in sich. Da sich vier der oben genannten Vereine noch Hoffnungen auf die ersten beiden Plätze machen dürfen, trafen bzw. treffen wir natürlich gerade in dieser Phase der Saison auf hochmotivierte Mannschaften. Die letzten beiden Spiele gegen die SKG Roßdorf und gegen die Darmstädter TSG waren sehr intensiv und hart umkämpft. Ich hoffe, dass beide Mannschaften im weiteren Verlauf der Saison und gerade in den direkten Vergleichen genauso engagiert zur Sache gehen wie gegen uns. Wir haben ein sehr bemühtes Umfeld, ein toll funktionierendes Team und ich würde es meiner Mannschaft und dem Verein von Herzen gönnen, wenn wir uns am Ende der Saison Meister der Kreisliga A Darmstadt nennen dürfen. Wir werden weiterhin alles dafür tun, aber solange es rechnerisch nicht feststeht, möchte ich mich zu dem Thema noch nicht äußern oder irgendwelche Prognosen abgeben.

Wie sieht ihre taktische Marschroute gegen den FCO, Gräfenhausen und DJK/SSG aus? Wo liegen die Stärken ihrer Konkurrenten?

Wie die taktische Marschroute für das Spiel gegen Ober-Ramstadt aussieht, weiß ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Leider haben wir aktuell einige angeschlagene, verletzte oder auch kranke Spieler, so dass ich jetzt noch nicht genau weiß, wer mir am Sonntag tatsächlich zur Verfügung steht. Ich werde die taktische Marschroute an den mir zur Verfügung stehenden Spielern ausrichten. Für mich geht Ober-Ramstadt als leichter Favorit ins Spiel und hat aber auch den größeren Druck wie wir. Es wird sich zeigen, wer die bessere Tagesform abrufen kann und die besseren Nerven hat. Es ist ja eigentlich ganz einfach - bei einer Niederlage von Ober-Ramstadt dürfte eine kleine Vorentscheidung gefallen sein, sollte es uns erwischen, wird es noch einmal richtig spannend. Trotz allem sind wir aktuell Tabellenführer, haben die beste Abwehr, den besten Angriff und haben das Hinspiel 1-0 gewonnen. Deshalb macht es wenig Sinn, mit Angst nach Ober-Ramstadt zu fahren. Wir haben den nötigen Respekt, werden alles versuchen, und was dabei herauskommt, sehen wir am Sonntag um 16.45 Uhr. An die Spiele gegen die SKG Gräfenhausen und gegen DJK/SSG Darmstadt denke ich heute noch nicht. Fakt ist, auch die beiden werden uns, wie alle anderen Mannschaften, nichts schenken.

Sollte der Aufstieg gelingen, wie sehen Sie die Chancen des SV Hahn in der Kreisoberliga zu bestehen?

Sollte uns tatsächlich der Aufstieg gelingen und die Mannschaft bleibt so zusammen, dann sollte es mit zwei bis drei gezielten Verstärkungen möglich sein, die Klasse zu erhalten. Gerade die Vergleichsspiele in der Vergangenheit gegen Mannschaften aus der Kreisoberliga haben gezeigt, dass wir auf dem Niveau durchaus mithalten können. Aber ich mache mir diesbezüglich noch keine Gedanken. Wir müssen uns erst einmal sportlich qualifizieren, ich muss meinen Trainervertrag in Hahn verlängern und wenn das alles passiert ist, nehme ich mir mit den Verantwortlichen die Zeit, die Zukunft beim Sportverein Hahn zu planen.

Bleiben Sie auch Trainer des SV Hahn, sollte der Aufstieg noch verspielt werden?

Ich verschwende keinen Gedanken daran, dass wir am Ende scheitern. Sollte es aber trotzdem passieren, dann muss man das akzeptieren, dann waren andere eben einfach besser. Ich fühle mich beim SV Hahn sehr wohl, aber ob ich in diesem Fall noch ein Jahr dran hänge, weiß ich heute noch nicht. Das hängt auch davon ab, ob bei einem Nichtaufstieg die Mannschaft zusammen bleibt und was der Verein sich vorstellt.

Haben Sie eine Trainerausbildung und wie sieht Ihre Trainerphilosophie aus? Wie würden sie ihren Trainerstil beschreiben?

Ich habe die Trainer C-Lizenz Leistungsfußball. Ansonsten bilde ich mich weiter, indem ich bei verschiedenen Trainern gelegentlich hospitiere. Außerdem besuche ich regelmäßig Fortbildungen in der Sportschule Grünberg. Ich lege großen Wert auf ein abwechslungsreiches Training, setze mir für jedes Training einen Schwerpunkt und versuche diesen dann gemeinsam mit der Mannschaft in Spiel- und Übungsformen so zu trainieren, wie sie mir als Spieler auch Spaß gemacht hätten. Ich versuche zudem meine Spieler respektvoll und ehrlich zu behandeln und erwarte das natürlich auch. Auf eine mögliche Trainerphilosophie möchte ich jetzt nicht ausführlich eingehen. Ich habe eine Spielidee und die versuche ich gemeinsam mit der Mannschaft bestmöglich umzusetzen.

Sie sind bekannt dafür ein besonderes Händchen für junge Spieler zu haben. Wie schaffen Sie es diese Spieler zu motivieren und zu besonderen Leistungen anzustacheln?

Ich arbeite gerne mit jungen, aber auch gestandenen Spielern zusammen und mache da keinen Unterschied. Ich muss allerdings gestehen, dass es einfach Spaß macht einen jungen Spieler, oder einen Spieler aus einer niederen Klasse zu verbessern. Es ist schön mit anzusehen wie sich solche Spieler freispielen, Mut entwickeln, und irgendwann ein Niveau erreichen, dass sie sich vielleicht nie zugetraut hätten. Voraussetzung für alles ist, dass der Spieler den Willen hat, gerne ins Training kommt und zuhören kann. Ansonsten erhalten diese Spieler ihre Motivation durch eine positive Entwicklung, durch Spielzeiten und Erfolgserlebnisse.

Zwischen der 1. und 2. Mannschaft des SV Hahn klafft eine große Qualitätslücke. Beabsichtigen Sie diese zu schließen? Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen den Trainern der 2. Mannschaft, der Junioren und Ihnen aus?

Ich weiß nicht genau wie der Verein in dieser Angelegenheit vorgehen wird. Die Zusammenarbeit zwischen den Trainern im Verein wird auch für die kommende Saison sicherlich ein wichtiges Thema sein. Wir sollten das was bisher gut läuft beibehalten und für Defizite die es zu verbessern gilt, Lösungen finden. Ansonsten ist der Umgang unter den Trainern im Verein respektvoll und hilfsbereit. Ich denke, alle im Verein wissen, dass unsere 2. Mannschaft momentan noch viel Luft nach oben hat. Die Mannschaft hat aus meiner Sicht mehr Qualität wie der aktuelle Tabellenplatz aussagt. Unser Spielausschuss wird diese Saison schon genau durchleuchten und dann die richtigen Entscheidungen treffen.

Sie haben mit RW Darmstadt II bereits ein Gruppenligateam trainiert und somit Ambitionen in höheren Ligen gezeigt. Was sind Ihre persönlichen Ziele als Trainer und wie wollen Sie diese erreichen?

Ich habe bei RW Darmstadt als Spieler und Trainer eine sehr schöne Zeit gehabt. Nachdem ich als Regionalauswahltrainer beim Hessischen Fußball Verband aufgehört habe, übernahm ich im Verein für zwei Jahre die U15 in der Hessenliga. Unter Stephan Adam war ich ein halbes Jahr Co-Trainer der 1. Mannschaft und habe danach eineinhalb Jahre das Gruppenliga-Team trainiert. Das waren insgesamt lehrreiche und erfolgreiche Zeiten, für die ich sehr dankbar bin und die mich auch als Trainer geprägt haben. Nach meinem Rücktritt bei RW Darmstadt wäre ich gerne in der Gruppenliga geblieben, erhielt aber von unserem Nachbarverein eine Absage. So kam ich zum Sportverein Hahn und konnte dort meine Ziele eine Mannschaft zu entwickeln und sportlich erfolgreich zu sein gut umsetzen. Dazu braucht man als Trainer aber auch eine tolle Mannschaft und ein engagiertes Umfeld. Ob es für mich als Trainer noch einmal in höhere Ligen geht, kann ich nicht beantworten. Sollte eine interessante Anfrage von einem höherklassigen Verein kommen, würde ich sicherlich darüber nachdenken. Zum Glück habe ich aber auch dieses Jahr die Möglichkeit, mit meiner eigenen Mannschaft in eine höhere Liga aufzusteigen. Deshalb sind mein aktuelles Ziel klar definiert…AUFSTIEG MIT DEM SPORTVEREIN HAHN!

Herr Schnepper, vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg.

Letzte Änderung amMittwoch, 18 März 2015 13:46
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