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Hohe Pokalhürde bei den „Erben“ des Turnvaters

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Vier Punkte aus zwei Partien ist eine ordentliche Ausbeute aus den ersten beiden Saisonpartien. Am kommenden Wochenende kann der SV Darmstadt 98 genau wie 63 andere Vereine auch den Blick auf Tabellen und aktuelle Ligabilanzen ausblenden, denn im Programmheft steht die erste DFB-Pokalhauptrunde. Und da gilt nur ein Motto: Hop oder Top. Für diese Aufgabenbewältigung treten die Lilien beim neuen Klassenkameraden Jahn Regensburg an (Anstoß 18Uhr30 in der Continental-Arena).

Für den Sportverein ist es des Kickdebüt im von Januar 2014 bis Mitte 2015 erbauten Schmuckkästchen des oberpfälzischen Traditionsklubs. Die zahlreichen früheren Duelle (insgesamt exakt vierzig an der Zahl) fanden auswärts allesamt im alten Jahn-Stadion statt, wo inzwischen die Abrissbirne ihr Unwesen treibt. Seit dieser Spielzeit sind die alten Rivalen erstmals seit der (aus blau-weißer Sicht) legendären Drittligarunde 13/14 wieder auf dem identischen Kickstockwerk beheimatet. Deshalb war das Los eines der undankbarsten und kniffligsten, das den SV98 während der Ziehung der 32 Paarungen treffen konnte.

Jahn Regensburg ist ergo ein viel hochkalibriger Gastgeber im Vergleich zum TuS Erndtebrück oder Bremer SV, den beiden unterklassigen Pokalherausforderern der vergangenen beiden Jahre. In der Continental-Arena werden die Trauben sicherlich hoch hängen, auch wenn die Lilien als Bundesligaabsteiger zumindest auf dem Papier leicht favorisiert zum Zweitliga-Wiederaufsteiger reisen. Auf jeden Fall gelang dem blau-weißen Team von Torsten Frings weitaus adäquater die Re-Installation im Unterbau als den Oberpfälzern, die nach dem 0:1 gegen den Club aus Nürnberg genauso noch auf den ersten Comebackpunkt warten wie Uwe (Süd)-Hesse (von 2009 bis 2014 beim SV98 am Ball) auf seinen ersten Zweitligaeinsatz. Ob der Flügelflitzer ausgerechnet gegen seine alte Liebe die diesbezügliche Feuertaufe erhält?     

Der Jahn verkörperte in den vergangenen zwei Dekaden das Synonym einer Fahrstuhlmannschaft. Auf und nieder lautete der permanente Slogan. Seit 1996 hielt man sich nie länger als drei Jahre am Stück in einer Spielklasse auf. Ab 2012 spannte Regensburg seine Fans besonders auf die Folter: Dem Aufstieg in Liga Zwei (mit Trainer Markus Weinzierl) folgte der sofortige Absturz, ehe es 2015 noch eine Etage hinunter Richtung Regionalliga Bayern ging. Dort übernahm in der Winterpause Heiko Herrlich das Trainerkommando und navigierte sein Team zunächst zurück in Liga Drei. Zwölf Monate später war der Durchmarsch in die Zweitklassigkeit perfekt – dank einem gewonnenen und von Ausschreitungen der Löwenfans überschatteten Relegationsrückspiel bei 1860 München.

Nach dem Doppeltriumph demissionierte Heiko Herrlich und folgte dem Lockruf von Bundesligist Bayer Leverkusen (ähnliches widerfuhr dem Jahn schon 2012, als Weinzierl sich nach der Beförderung zum FC Augsburg verabschiedete). Nun soll Achim Beierlorzer den Klassenerhalt richten und die erste DFB-Pokalhürde überspringen, wogegen die Lilien selbstredend ein Veto einlegen werden. Ein lohnenswertes Ziel, denn schon die zweite Runde könnte - anders wie vor einem Jahr als peinlicher Gast von Astoria Walldorf  - ein lukratives Heimspiel bedeuten (die Kurpfälzer sind übrigens in dieser Cup-Saison „glücklicherweise“ nur zum Zuschauen verurteilt).

Auseinandersetzungen zwischen dem Sportverein und dem SSV (Sport- und Schwimmverein) gibt es schon seit 1951 (alte 2. Liga Süd) zu bestaunen. Zwei negative Konfrontationen haften besonders schmerzlich in der blau-weißen Erinnerung: Ein 1:3-Heimniederlage am finalen Regionalligaspieltag 2003 sorgte für den (in dieser „dunklen“ Ära „mal wieder“) Niedergang in die Hessenliga und im zweiten Jahr nach dem Wiederaufstieg veranlasste eine überaus deftige 2:7-Klatsche im Jahn-Stadion den damaligen 98-Coach Bruno Labbadia, direkt nach dem Abpfiff das Ende seiner Amtszeit zum Saisonkehraus zu proklamieren.

Der letzte Sieg in Regensburg ist vom Oktober 2004 datiert, als Matias Esteban Cenci alias „Che“ einen Strafstoß zum entscheidenden 1:0 verwandelte. Es wird also Zeit, ein ähnliches Positivresultat nun bei der Erstausgabe in der Continental Arena, wo die Lilien Anfang Dezember zur Punktspielveranstaltung ein zweites Mal in der Pflicht stehen, neu aufzulegen. 

 

Letzte Änderung amFreitag, 11 August 2017 04:41
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