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2. Bundesliga

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Erobert der SV98 die vom Ex-Captain dirigierte Schanz?

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Nach einer überaus spannenden und nervenaufreibenden englischen Woche (alleine das in diesem engen Zeitfenster ausgeworfene Torverhältnis von 9:8 spricht Bände) gastiert der SV Darmstadt 98 vor seiner sechzehntägigen Zweitligapause am Freitagabend beim FC Ingolstadt, der seit 2014 „wie eine Klette“ an den Lilien hängt (Anstoß 18Uhr30 im Audi-Sportpark).

Bevor der Blick Richtung verschanztes Oberbayern schweift, müssen natürlich noch einmal die denkwürdigen drei Partien der zurückliegenden englischen Woche rekapituliert werden, in der die im Fußballjargon üblichen Begriffe wie Aufholjagd, Charakter und Moral das Vokabular der blau-weißen Gefolgschaft permanent beherrschten. In der Tat legte die Mannschaft von Torsten Frings ein sensationelles Zeugnis ab, wie man im Kickgeschäft zusammenhält und verloren geglaubte Spiele noch in den Happy-End – Modus umwandelt.

Während dem Matchterzett gegen Bielefeld, in Heidenheim und gegen Dresden quittierten die bezüglich Dramen und Thriller geeichten 98er unglaubliche sechs Mal einen Rückstand und verloren trotzdem nicht nur keine einzige Begegnung, sondern retteten auch noch fünf wertvolle Punkte, die den Fortbestand in der tabellarischen Spitzengruppe verteidigten. Das alte Schuster-Zitat („Man darf uns erst abschreiben, wenn wir unter der Dusche stehen“) verinnerlich auch das aktuelle Team in imponierender Manier. Durch diese den Kontrahenten größten Respekt einflößende „Never give up“ – Mentalität wurde das Duell gegen die Arminen nach 0:1 und 1:2 noch komplett umgebogen (4:3) sowie auf der Ostalb (2:2 nach 0:1 & 1:2) und als Krönung zum Pflichtspieldebüt gegen den sächsischen Dynamo (3:3 nach 0:1 & 1:3 bis zur 90. Minute) wertvolle Unentschieden auf der Habenseite verbucht.

Natürlich gibt es auch negative Aspekte zu konstatieren. Nach nur zwei Gegentoren in den ersten vier Spielen musste der an allen Einschlägen schuldlose Daniel Heuer Fernandes in den folgenden vier Partien zehn Mal den Ball aus dem eigenen Netz fischen. Ein bisschen viel für ein Toppteam der Liga. Das weiß natürlich auch Chefcoach Torsten Frings, der sich verständlicherweise über die Unachtsamkeiten seiner Defensivabteilung ärgerte und hier den Besserungshebel ansetzen wird. Nach vorne klappte es ja zuletzt mehr als ordentlich, auch wenn „echte“ Stürmerbuden (nur drei von siebzehn) noch die Minderheit darstellen. Das sollte sich aber demnächst ändern, wenn Felix Platte nach auskurierter Gehirnerschütterung wieder fit ist (vielleicht schon in Ingolstadt).

Übrigens hat der Keeper des kommenden Gastgebers genauso viele Gegentore kassiert wie Heuer Fernandes. Mit einem kleinen, aber feinen Unterschied: Der FCI hat acht Punkte weniger auf dem Konto und deshalb ist der Saisonauftakt im Gegensatz zum südhessischen Weggefährten (diese Einschätzung bezieht sich auf die sportlich hüben wie drüben kooperative Fährte der vergangenen vier Jahre) einem Fehlstart. Nach dem gemeinsamen Abstieg aus der Bundesliga mischen die Lilien in den oberen Sphären mit, während sich die Schanzer zunächst einmal im Kellerterrain der Zweitklassigkeit sortieren. Ergo eine neue Sachlage, mit der die vom lokalen Konzern Audi unterstützten Oberbayern erst einmal klar kommen müssen.

2015 stiegen SVD und FCI Kopf an Kopf in die oberste Kicketage auf und verblüfften in der ersten Saison das Establishment. Hier wie da wurde der sensationelle Ligaverbleib relativ souverän gemeistert. Erst im „verflixten“ zweiten Jahr senkte sich wohl aus den gleichen Gründen der Daumen, weil man nach den Abflügen der Erfolgstrainer Ralph Hasenhüttl und Dirk Schuster in der Nachfolgefrage auf das falsche Pferd setzte. Als die „Irrtümer“ korrigiert wurden, war das Defizit trotz dem Comeback der Achtungserfolge schon zu groß, um noch die Wende über den Strich zu vollziehen. Beide Fraktionen gelobten also fortan Treue treu und gliederten sich wieder zusammen ein Stockwerk tiefer ein, wobei der Sportverein diese Aufgabe wie schon erwähnt bislang weitaus produktiver gelöst hat.

Nach drei frustrierenden Ouvertürenpleiten beurlaubten die Schanzer (so werden eigentlich alle Bürger der oberbayrischen Metropole an der Donau genannt; der „Spitzname“ entstand im 16. Jahrhundert, als man Ingolstadt durch Wälle und Bastionen zur Landesfestung, der sogenannten Schanz, ausbaute) Coach Maik Walpurgis und zogen Stefan Leitl von der U23 zu den Profis hoch. Seine erste Bestandsaufnahme verläuft pari (je zwei Siege und Niederlagen bei einem Remis). Für „echte“ 98er, die den Werdegang ihres Vereins schon vor der Durchmarschorgie verfolgten, ist Leitl natürlich kein Unbekannter. Zwischen 2004 und 2007 schnürte der beim FC Bayern ausgebildete gebürtige Münchener als absoluter Leistungsträger und Kapitän die Regionalligaschuhe für den Sportverein. Es war das einzige Mal, dass er hinsichtlich eines Fußballvertrags seiner bajuwarischen Heimat den Rücken kehrte.

Nach dem blau-weißen Abstieg in die Hessenliga 2007 schloss sich Leitl dem FC Ingolstadt an und ist dort seitdem in den verschiedensten Funktionen tätig. Vor rund einem Jahr wurde er nach der Entlassung von Norbert Meier als neuer Hoffnungsträger am Bölle gehandelt, ehe die verantwortlichen Protagonisten nach dem „Übergang“ Ramon Berndroth (drei Partien) Torsten Frings aus dem Hut zauberten. Leitl hat es dank seiner akribischen Arbeit für das FCI-Regionalligateam inzwischen ebenfalls in die Zweite Liga geschafft und ist am Freitagabend gegen seinen Ex-Klub gefordert, mit einem lukrativen Ergebnis die versetzungsgefährdete Region zu verlassen.

Von der Statistik ausgehend sind die Gastgeber sogar Favorit. Beim FCI konnten die 98er noch nie gewinnen. In der vergangenen Bundesligaära setzten die Lilien beide Auftritte in den Sand. Für einen blau-weißen Sieg in Ingolstadt muss man tief im Archiv wühlen. Während der Saison 71/72 („alte“ Regionalliga Süd) erzielten Jockel Weber und Bernhard Metz die Treffer zum 2:0. Das war im Stadtteil Ringsee bei den Eisenbahnern vom ESV, neben dem MTV einer der beiden Elternteile des heutigen Vereins, der erst 2004 nach einer Fusion von „Mama und Papa“ das Licht der Welt erblickte.

Der Freitagabend wäre also ein geeigneter Termin für einen Premierendreier im 2010 aus dem Boden gestampften Audi-Sportpark, um vor der sich anschließenden letzten Länderspielpause des Jahres sowohl das Punktepolster als auch das gute Gefühl aufzupolieren. Egal, ob nach „Usus-Rückstand“ mit dem Siegtreffer in der 93. Minute oder einem „Zu Null – Erfolg“… 

Alle Partien vom neunten Zweitligaspieltag:

Fr 29.09. 18.30

FC Ingolstadt – SV Darmstadt 98, 1. FC Kaiserslautern – Spvgg Greuther Fürth

Sa 30.09. 13.00

1. FC Nürnberg – Arminia Bielefeld, Erzgebirge Aue – Union Berlin, Holstein Kiel – VfL Bochum

So 01.10. 13.30

Eintracht Braunschweig – FC St. Pauli, 1. FC Heidenheim – Dynamo Dresden, SV Sandhausen – Jahn Regensburg

Mo 02.10. 20.30

Fortuna Düsseldorf – MSV Duisburg

 

Medien

Letzte Änderung amDonnerstag, 28 September 2017 10:02
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