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2. Bundesliga

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Personell geschwächt zum Tabellennachbarn in die niedersächsische Löwenhöhle

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Mit dem gemeinsamen Rucksack eines schon reichhaltigen Defizits auf die Beförderungspositionen prallen die Traditionsschwergewichte Eintracht Braunschweig und SV Darmstadt 98 zur „ominösen“ dreizehnten Zweitligarunde aufeinander. Anstoß im altehrwürdigen Stadion an der Hamburger Straße ist am Samstag um 13Uhr.

Hier wie da nach zwölf ausgetragenen Partien „nur“ sechzehn Punkte auf dem Konto: Das hatten sich SVD und BTSV vor der Spielzeit sicherlich anders vorgestellt, als der Bundesligaabsteiger aus Südhessen und die in der Aufstiegsrelegation knapp am „Nachbarn“ VfL Wolfsburg gescheiterten Niedersachsen automatisch in den Kreis der Mitfavoriten für ein Oberhausticket eingegliedert wurden. Doch die Momentaufnahme spricht eine andere Sprache. Der Vorsprung zur Gefahrenzone ist aktuell geringer als der Rückstand nach oben.

Seit sechs Runden warten die Lilien jetzt auf einen Sieg. Nach drei kompletten Ergebnispleiten in Folge konnte das Team von Torsten Frings gegen den Kieler Überraschungsstorch von der Förde zumindest die Niederlagenserie stoppen. Ob das 1:1-Unentschieden wirklich den Anfang eines Wendemanövers bedeutet oder die Stagnation der vergangenen Wochen fortsetzt, werden die kommenden Begegnungen reglementieren. Das erste wichtige Wegweiseschild ist in Braunschweig aufgestellt, wo der Gastgeber ähnlich unter Druck steht und wohl die gleiche Frage stellt: Geht es endlich wieder aufwärts oder muss man den Blick nach unten richten?

Die Eintracht hat ihr momentanes Quantum von sechzehn Zählern etwas anders gesammelt als der Sportverein und fungiert als Remiskönig der Liga. Bereits sieben Mal teilte sich die Elf vom seit Mai 2008 fest im blau-gelben Sattel verankerten Übungsleiter Torsten Lieberknecht (nur der Heidenheimer Frank Schmidt ist noch länger ununterbrochen im Traineramt) die Punkte – darunter fünf Matches mit dem „Lieblingsresultat“ von 1:1. Im Vergleich zum SV98 liegt das Problem nicht bei den vielen Gegentoren (statistisch zweitbeste Abwehr der Liga), sondern neben der Unentschiedenflut an der mangelnden Offensivqualität, die auch langwierigen Verletzungen von einigen Stammspielern geschuldet ist.

Wer reißt also an der Hamburger Straße das Ruder herum? Oder trägt der Schiedsrichter ein weiteres 1:1 auf dem Spielberichtsbogen ein? (so scorten die Lilien ja auch am zurückliegenden Spieltag). Spätestens am Samstag um 15Uhr wissen wir, ob die kickenden Kultpartner fortan tabellarisch gemeinsam marschieren oder die Wege sich trennen.

Der Braunschweiger Turn- und Sportverein (kurz BTSV) zählt ohne wenn und aber zu den ganz großen Traditionsvereinen. Glaubt man der Legende, führte der Lehrer Konrad Koch 1874 im erst drei Jahre bestehenden Kaiserreich durch ein erstes Match auf dem Braunschweiger Exerzierplatz die neue Sportart hierzulande ein. Die Löwenstadt gilt also als Wiege des deutschen Fußballs. 1895 wurde dann die Eintracht gegründet. Nach dem 2. Weltkrieg gehörte man zum festen Inventar der (erstklassigen) Oberliga Nord und erhielt 1963 bei der Bundesligainstallation das Startrecht. Der Vorzug gegenüber dem Erzrivalen Hannover 96 war damals eine große Genugtuung. Und dann kam die unvergessene Saison 66/67, als der BTSV das kickende Universum „erschütterte“ und seinen heute noch geltenden Ruhm untermauerte. Völlig unerwartet düpierte das Team von Trainer Helmut Johannsen die Konkurrenz und angelte sich den Meisterlorbeer.

Danach neigte sich der Daumen langsam abwärts. Die Verstrickung in den Bundesligaskandal hatte mehrere Abstiege zur Folge. Dazwischen zeichnete sich der Klub als Trikot-Werbervorreiter (Jägermeister) aus und lotste für zwölf Monate sogar Paul Breitner von Real Madrid in die „niedersächsische Provinz“. Ab 1987 musste dann die Drittklassigkeit dem Alltagsgeschäft angepasst werden. Kurz vor Ende der Runde 07/08 drohte sogar der Supergau sprich erstmals das viertklassige Niemandsland, ehe der BTSV mit der Beförderung von Torsten Lieberknecht vom Nachwuchskoordinator zum Cheftrainer den wahrscheinlich größten Glücksgriff seiner jüngeren Historie tätigte. Der „Pfälzer Bub“ rettete auf dem finalen Drücker die Qualifikation für die neu geschaffene Dritte Liga, hievte Braunschweig 2011 in Liga Zwei und schließlich 2013 nach 28jähriger Abstinenz zurück in die Beletage.

Dort war dann allerdings das Ende der Fahnenstange erreicht. Die Eintracht stieg mit der roten Laterne trotz einer beeindruckenden Fanunterstützung postwendend wieder ab und vollzog mit Lieberknecht im Unterbau den nötigen Personalumbruch. Der mündete im vergangenen Mai beinahe im erneuten Bundesligacomeback, doch wie bereits erwähnt spendete Glücksgöttin Fortuna ihre Relegationsgunst dem ungeliebten Niedersachsenwidersacher aus der VW-Stadt. Zur Zeit reihen sich die Braunschweiger genau wie der Sportverein eher im sogenannten Mittelfeld der Zweitklassigkeit ein.

In der Heimat des im 12. Jh. regierenden Welfenherzogs Heinrich des Löwen (schuf 1166 durch eine Großplastik das Stadtwahrzeichen, den Braunschweiger Löwen, der schließlich auch den Fußballern als Spitzname diente) startete der SV98 neun Versuche, einen Sieg zu entführen. Das gelang allerdings nur ein einziges Mal. Am 08.05.1986 erzielten Gerhard Lachmann und Stefan Lottermann die Treffer zur 2:0-Führung und bei der Eintracht war der „Worm“ drin. Dessen Anschlussbude änderte nichts mehr am 2:1-Auswärtserfolg.

Eine Wiederholung eines solchen Positiverlebnisses wäre nun natürlich das perfekte Signal für ein Ende der Ergebnisdurststrecke und blau-weißer Balsam vor der anschließenden Länderspielpause, auch wenn die personellen Vorboten das Optimismusfass nicht gerade überlaufen lassen. Sturmtank Felix Platte fällt mit einem gegen Kiel erlittenen Muskelbündelriss längerfristig aus und Hamit Altintop sitzt wegen seiner erhaltenen fünften gelben Karte eine Sperre ab. Das fehlende Leistungsträgertandem gesellt sich zu den ebenfalls verletzt zum Zuschauen verurteilten Eckpfeilern Tobias Kempe, Daniel Heuer Fernandes und Peter Niemeyer. 

Alle Partien vom 13. Zweitligaspieltag:

Fr 03.11. 18.30

SV Sandhausen – 1. FC Nürnberg, 1. FC Kaiserslautern – VfL Bochum

Sa 04.11. 13.00

Eintracht Braunschweig – SV Darmstadt 98, Union Berlin – FC St. Pauli, Jahn Regensburg – Spvgg Greuther Fürth

So 05.11. 13.30

Fortuna Düsseldorf – 1. FC Heidenheim, Erzgebirge Aue – Arminia Bielefeld, Holstein Kiel – Dynamo Dresden

Mo 06.11. 20.30

1. FC Nürnberg – FC Ingolstadt

 

Letzte Änderung amDonnerstag, 02 November 2017 14:43
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