log in

2. Bundesliga

A+ A A-

3:3 – Bitteres Nachspielzeit – Déjà-vu

Artikel bewerten
(0 Stimmen)

„Haste Sch....am Fuß, dann haste Sch….am Fuß!“: Das markante Zitat von Weltmeister Andreas Brehme ist im Herbst 2017 auf den SV Darmstadt 98 zu übertragen. Wie schon beim letzten Auswärtsmatch in Braunschweig verpassten die Lilien auch am Freitagabend bei Union Berlin wegen einem Slapstick-Gegentreffer unmittelbar vor dem Abpfiff den erlösenden Befreiungsschlag und mussten sich mit einem 3:3 an der alten Försterei zufrieden geben. 

Union Berlin – SV Darmstadt 98  3:3

Union: Busk, Trimmel, Leistner, Torrejon, Pedersen, Prömel (83. Kroos), Daube (73. Kreilach), Hedlund, Härte, Gogia (67. Skrzybski), Polter

SVD: Stritzel, Steinhöfer, Bangaard, Sulu, Holland, Kamavuaka, Altintop, Sirigu (59. Kempe), Rosenthal, Mehlem (89. Stark), Boyd (83. Bezjak)

Tore: 1:0 Prömel 39. 1:1 Boyd 51. 2:1 Polter 58. HE 2:2 Boyd 61. 2:3 Kempe 66. FE 3:3 Eigentor Rosenthal 90. + 4

Zuschauer: 21110

Damit verlängerte sich der sieglose Lauf auf jetzt neun Begegnungen hintereinander, obwohl der SV98 in der zweiten Hälfte die stärkste Leistung seit Wochen ablieferte und dank drei Toren binnen einer Viertelstunde den gastgebenden Favoriten am Rand der ersten Saisonheimniederlage hatte. Aber der Fußballgott ist in dieser schwierigen Phase kein Freund der Lilien. Die allerletzte Aktion der vierten Nachspielzeitminute raubte dem blau-weißen Team einen verdienten Sieg, weil Fabian Holland bei seiner Rettungstat Jan Rosenthal anköpfte und von dessen Körper der Ball zum 3:3-Endstand (den man wohl im Vorfeld unterschrieben hätte, der aber nach dem Kehraus nur Verdruss erzeugte) über die Linie trudelte. Der Schiedsrichter pfiff die Partie gar nicht mehr erst an und der Sportverein stand erneut frustriert im Regen.

Die über tausend nach Köpenick gereisten Fans des Sportvereins staunten nicht schlecht, als die blau-weiße Anfangsformation publik wurde. Dass Kevin Großkreutz angeschlagen passen musste und sich auf der langen Verletztenliste eintrug, war ja bereits bekannt, wogegen die Nominierung der Nummer Eins für überraschende Gesichtszüge sorgte. Zwei Tage nach seinem 41. Geburtstag gönnte Trainer Torsten Frings dem bisherigen Heuer Fernandes – Vertreter Joel Mall eine „schöpferische Pause“ und bescherte Florian Stritzel (kam im Sommer vom Oberligateam des KSC ans Bölle) das Profidebüt zwischen den Pfosten.

Nach einem ordentlichen Start gerieten die Lilien mehr und mehr unter Druck. Der Pausenrückstand war allerdings nicht die Folge der eisernen Überlegenheit, sondern die Essenz eines halben Eigentores. Zunächst konnte kein Blau-Weißer Pedersen am Tanz durch die Abwehrreihen hindern und das anschließende Schüsschen von Grischa Prömel kullerte Keeper Stritzel, der sich seinen Zweitligaeinstand bestimmt anders vorgestellt hatte, durch die Hosenträger. Kurz darauf wehrte auf der Gegenseite Torwart Busk einen Kopfball von Sulu zur Ecke ab.

Diese erste Lilienchance entpuppte sich als Initialzündung für einen mutigen Auftritt im zweiten Durchgang, den der SV98 von Beginn an dominierte. Das Anziehen der Offensivpower wurde schnell belohnt. Über Steinhöfer und Kamavuaka landete die Kugel bei Terrence Boyd und der Stürmer vollendete mit Hilfe eines Touchs des Unioners Trimmel zum Ausgleich. Zwar überschattete ein baldiger Rückschlag das Darmstädter Engagement (nach einem Handspiel von Aytac Sulu verwandelte Polter den Strafstoß zum 2:1 pro Hausherr), doch die Lilien behaupteten fortan ihr Initiativenübergewicht.

Wiederum Boyd sendete die passende Antwort ab und köpfte zum 2:2 in die Maschen. Nach der erneuten Egalisierung ließ sich der SV98 nicht noch einmal überraschen und setzte seinerseits nach. Marvin Mehlem drang in den Sechzehner ein und das einhakelnde Bein von Trimmel überzeugte den Referee zur zweiten Deutung auf den Punkt. Ohne Scheuklappen übernahm der kurz zuvor nach längerer Verletzungspause eingewechselte Tobias Kempe die Verantwortung und netzte aus elf Metern sicher zur erstmaligen Lilienführung ein. 

Weitere drei Minuten später musste Fabian Holland eigentlich das 4:2 erzielen, doch Goalie Busk meisterte seinen Kopfball aus kurzer Entfernung. Statt der Entscheidung begann wieder das große Zittern, auch wenn Union bezüglich seiner Egalisierungsbestrebungen gegen die aufmerksame 98er-Defensive meist mit dem Latein am Ende war. Doch spätestens seit Braunschweig weiß jeder Südhesse, dass diese Momentaufnahmen Muster ohne Wert sind und dass die Lilien auf dem letzten Drücker immer für eine krumme Gegentorbude „gut“ sind. So nahm das sportliche Schicksal seinen Lauf. Nach der bereits geschilderten unfreiwilligen „Co-Produktion“ zwischen Holland und Rosenthal versank die blau-weiße Hoffnung auf das Siegcomeback entweder in der Spree oder in der Havel.

Nach dem höchst unglücklich kassierten Berliner Lucky Punch warten die Lilien nun seit neun Runden auf einen „Dreier“. Sicherlich wird der Frust ein oder zwei Tage anhalten, aber dann sollte der Sportverein den Schalter umlegen und den Blick Richtung nächster Spieltag richten. Falls die Performance vom zweiten Abschnitt in Köpenick konserviert wird, ist im Heimspiel gegen Jahn Regensburg (03.12.) das Ende der Sieglosigkeit fest eingeplant. 

 

Letzte Änderung amSamstag, 25 November 2017 10:49
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten