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2. Bundesliga

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Gelingt im Erzgebirge eine Vorrundenschadensbegrenzung?

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Was eint den SV Darmstadt 98 vom siebten Spieltag und die Lilien nach der sechzehnten Zweitligarunde? Die etwas sarkastische Antwort lautet Relegationsplatz im Wissen des „kleinen Unterschieds“ zwischen dem im September noch belegten Platz Drei und dem aktuellen sechzehnten Rang. Am Freitagabend bei Erzgebirge Aue steigt das erste von zwei  Jahreskehrauspartien gegen unmittelbare Konkurrenzgastgeber (Anstoß 18Uhr30).

Was ist nur in den vergangenen zehn sieglosen Spielen passiert? Wie kann eine Mannschaft, die zum Saisonbeginn ihre Fans zumindest teilweise begeistert hat und tabellarisch ganz oben mitmischte, in so einen Abwärtsstrudel geraten? Aufgrund dem 0:1 gegen Regensburg wurde die demoralisierende Gleichung für den bislang absoluten Saisontiefpunkt aufgestellt: Katastrophale Leistung plus katastrophales Ergebnis gleich katastrophale Rankingpositionierung.

Die letzten beiden Heimspiele gegen Sandhausen und Regensburg ähnelten einem spielerischen Offenbarungseid, wobei beim Kick gegen den Jahn die miserablen Platzverhältnisse in keinster Weise als Entschuldigung taugen. Von einer Portion Pech wie bei den Auswärtspartien in Braunschweig oder Berlin (unglücklich kassierte Nachspielzeitnackenschläge zum jeweiligen Ausgleich für die Hausherren), war in den Matches am Bölle nichts zu spüren. Keine Spur von einem Aufbäumen, den Minuslauf endlich zu stoppen.

Irgendwie muss der Schalter nun umgelegt werden. Aber diese Phrase wird schon seit Wochen kolportiert, ohne dass eine Lösung gefunden wurde. Bei einem nicht zu unterschätzenden Teil der Anhängerschaft ist die Geduld am Ende und das Fass bereits übergelaufen. Viele (nicht alle) Fans schieben Coach Torsten Frings den schwarzen Peter zu. Den Vorwürfe vom nicht mehr Erreichen seines Teams und keinem erkennbaren System schieben die Verantwortlichen entschlossen einen Riegl vor. Präsident Rüdiger Fritsch stärkte Frings unter der Woche den Rücken und richtete stattdessen eine „Standpauke“ an die Adresse der Mannschaft, das fehlende Erfolgserlebnis zu erzwingen und den Bock umzustoßen.

Auf jeden Fall ist das „botanische Duell“ der Lilien bei den Veilchen zu einem unsäglichen „Sechspunktespiel“ im Kampf um den Zweitligaligaverbleib „mutiert“. Erzgebirge Aue hat einen winzigen Punkt mehr auf dem Konto und steht nach der 0:4-Klatsche im Sachsenderby bei Dynamo Dresden ebenfalls gewaltig unter Druck. Am Freitagabend werden ergo auf beiden Seiten gute Nerven benötigt. Ein weiterer Resultatsdämpfer würde aus blau-weißer Sicht die weihnachtliche Vorfreude noch drastischer eindämmen. Eine Woche später kickt der SV98 dann zur vorzeitigen Rückrundeneröffnung in Fürth, wo das Kleeblatt auf dem ersten direkten Abstiegsplatz zittert. Kaum auszudenken, wenn man an beiden Auswärtshürden scheitert und mit leeren Händen in die Winterpause marschiert.

Versuchen wir – auch wenn es momentan schwer fällt -  optimistisch zu denken und hoffen auf die Kehrtwende. In der Fremde zogen sich die Lilien ja zuletzt weitaus besser aus der Affäre als im eigenen Wohnzimmer. Und gegen den dreimaligen DDR-Champion kann der Sportverein noch eine weiße Weste vorweisen, auch wenn erst zwei Partien untereinander ausgetragen wurden. In der Durchmarschsaison (nach oben hin!) 14/15 setzten sich Blau-Weiß sowohl zu Hause (2:0, Tore Marcel Heller und Dominik Stroh-Engel) als auch im Erzgebirge (1:0 dank einem goldenen Treffer von Jerome Gondorf in der 83. Minute) durch und feierte zum Rundenkehraus das glorreiche Bundesligacomeback. Waren das noch Zeiten…

Im jetzt anstehenden Wegweiservergleich zweier sportlicher Sorgenkinder kommt es auch zum Bruderduell Kempe. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden Tobias (SV98) und Dennis (wechselte im Sommer vom KSC nach Aue) auflaufen. Weitere bekannte Fußballer des Platzhirsches sind Martin Männel (hütet seit 2008 den Kasten in der Bergbau- und Industriestadt), Pascal Köpke (Sohn vom Bundestorwarttrainer) und Christian Tiffert (früher im Oberhaus für den VfB Stuttgart, MSV Duisburg und 1. FC Kaiserslautern aktiv).

Der FC Erzgebirge fungierte bis zum DDR-Zusammenbruch als Wismut. Der Name stammte von einem sächsischen Bergbauunternehmen ab, das Uran für die sowjetische Atomindustrie förderte. Noch heute feuern die traditionellen Fans ihren Klub so an. Nach der Wende verpassten die Veilchen zunächst eine rentable Angliederung an den „West-Fußball“. Immerhin gelang 1994 die Qualifikation für die neue Regionalliga Nordost. Neun Jahren Drittklassigkeit folgte 2003 unter Kultcoach Gerd Schädlich der erste Aufstieg in die Zweite Liga. Dort stemmte sich die „sächsischen Gallier“ (Spitzname wegen der Konstellation Aues als Profistadt mit den wenigsten Einwohnern, diesen Umstand änderte erst der SV Sandhausen mit seinem Aufstieg 2012) fünf Saisons lang gegen die Übermacht, ehe der Fahrstuhl wieder nach unten in die neue Dritte Liga ging.

2010 lotste Trainer Rico Schmitt das Erzgebirge ins Rampenlicht des Bundesligaunterbaus zurück. Aber 2015 war parallel zum 98er-Höhenflug erneut nach dem fünften Jahr Schicht im Zweitligaschacht (soll nicht despektierlich gegenüber dem alten Wismut-Lied „Wir kommen aus der Grube…“ klingen). Diesen „Betriebsunfall“ konnten die Veilchen mit den „zwei gekreuzten Hämmern und dem großen W“ allerdings postwendend korrigieren und tummeln sich nun wieder in der zweiten Spielzeit auf der Zweitligawiese. 

Alle Partien vom 17. Zweitligaspieltag:

Fr 08.12. 18.30

Erzgebirge Aue – SV Darmstadt 98, Eintracht Braunschweig – Holstein Kiel

Sa 09.12. 13.00

Union Berlin – Dynamo Dresden, Spvgg Greuther Fürth – 1. FC Heidenheim, Jahn Regensburg – VfL Bochum

So 10.12. 13.30

FC St. Pauli – MSV Duisburg, SV Sandhausen – Arminia Bielefeld, 1. FC Kaiserslautern – FC Ingolstadt

Mo 11.12. 20.30

Fortuna Düsseldorf – 1. FC Nürnberg

 

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