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2. Bundesliga

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Gegen kriselnde Pfälzer und auf St. Pauli fahndet der SV98 nach dem Kellerausgang

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Mit einem enorm wichtigen Matchdoppelpack steigt der SV Darmstadt 98 in das Punktspieljahr 2018 ein. Im Heimspiel am frühen Mittwochabend gegen Schlusslicht 1. FC Kaiserslautern (Anstoß 18Uhr30) und am Sonntagmittag beim FC St. Pauli (Kick-off 13Uhr30) wollen die Lilien nach einer weitgehend verkorksten ersten Halbserie den Grundstein legen, um am Saisonende in den Klassenerhaltshafen der Zweiten Liga zu segeln. 

Die Altlasten von zwölf sieglosen Partien am Stück drücken vor der Rückrundenfortsetzung natürlich schwer auf den blau-weißen Schultern. Aufgrund dieser langen Talfahrt konstatiert der Sportverein statt dem erhofften Mitspracherecht im oberen Tabellendrittel eine Mitgliedschaft im Ranglistenkeller. Während der Winterpause klebten die 98er mit drei Punkten Rückstand zum rettenden Ufer und nur einem Zähler Vorsprung zur direkten Abstiegstufe auf dem Relegationsplatz. Dass sie nicht komplett unter dem Strich die Weihnachtsgans verzehren mussten, war dem Lucky Punch – Abschiedsgeschenk von Hamit Altintop zu verdanken, der in der finalen 2017er-Begegnung respektive zum Comeback von Durchmarsch-Hero Dirk Schuster eine angedachte Flanke buchstäblich in allerletzter Sekunde zum 1:1-Endstand beim direkten Widersacher Greuther Fürth in den Winkel „versenkte“.

Kurz darauf brach der ehemalige türkische Nationalspieler nach einjähriger Bewohnung sein Bölle-Zelt aus privaten Gründen ab. Neben Altintop sagten auch Ruibao Hu (kam in Darmstadt zu keinem Einsatz) und Jamie Maclaren (der Australier wurde zu den „Hibs“ in die schottische Hauptstadt ausgeliehen) Adios. Dafür bereichern nun Joevin Jones (der Kicker aus Trinidad & Tobago jettete aus Seattle ans Bölle), Baris Atik (vom nächsten Kontrahenten 1. FC Kaiserslautern), Slobodan Medojevic (von den Mainadlern) und Heimkehrer Romain Bregerie (vor seinem zweieinhalbjahrigen Ausflug zum FC Ingolstadt einer der 2015er - Aufstiegshelden) den blau-weißen Kader.

Im spanischen San Pedro del Pinatar arbeitete der übungsleitende Hoffnungsträger Dirk Schuster mit seinen Schützlingen eine Woche lang am Feinschliff für die Mission Ligaverbleib. Dort wurden auch die ersten beiden Testspiele ausgetragen (3:0 gegen Beveren aus Belgien und 0:0 gegen die Würzburger Kickers). Die Generalprobe vor dem wegweisenden Kracher gegen die Pfälzer fand dann in den heimatlichen Gefilden des Bölle statt: 2:2 gegen Greuther Fürth. Nach einem 0:2-Rückstand rettete Felix Platte mit zwei Buden zum 2:2-Endstand den ungeschlagenen Vorbereitungsstatus. 

Das ist jedoch alles Makulatur, wenn ab Mittwoch zwei der größten sportlichen Zweitligasorgenkinder aufeinanderprallen. Dirk Schuster hofft in seinem zweiten Spiel nach seiner blau-weißen Re-Installation natürlich auf einen Befreiungsschlag, den die Mannschaft und die Fans schon seit Monaten herbeisehnen. Vielleicht hilft dem Coach ja auch die Erinnerung an das letzte Heimspiel gegen den FCK Anfang Mai 2015. Damals war die tabellarische Konstellation aber ganz anders gestrickt. Während man heuer hüben wie drüben in den gefährdeten Regionen zittert, kämpften beide Seiten seinerzeit um ein Ticket für die Bundesliga. Dank dem 3:2-Heimtriumph (Tore Bregerie, König, Behrens) hielt der Sportverein die besseren Karten in der Hand und perfektionierte wenig später das Durchmarschwunder, während Kaiserslautern letztmals vergeblich an der früheren Heimat schnupperte.

Seitdem geht es praktisch nur noch bergab in der Pfalz. Im eingefleischten FCK-Fan kocht Wehmut auf, wenn der Blick zurück in die glorreiche Vergangenheit schweift. Der Traditionsbrocken  begründete seinen Ruhm in den 1950er Jahren, als um die „Vaterfigur“  Fritz Walter eine aus der Region zusammen gewachsene Mannschaft zusammengestellt wurde. Neben zwei deutschen Meisterschaften bildeten die FCK-Spieler das Sepp Herberger – Gerüst für das Wunder von Bern. Die Walter-Brüder Fritz und Otmar, Werner Kohlmeyer, Werner Liebrich und Horst Eckel trieben das deutsche Nationalteam 1954 gegen die ungarischen Magyaren so lange nach vorne, bis Helmut Rahn in der 84. Minute aus dem Hintergrund zum 3:2-Triumph einschoss. Nach der Bundesligagründung 1963 wurde es ruhiger um den Pfälzer Mythos, ehe der DFB-Pokal-Gewinn 1990 sowie die Deutsche Meisterschaft 1991 eine ganze Region aus der Lethargie riss.                    

1996 geschah das Unfassbare. Trotz des neuerlichen DFB-Pokal-Siegs stieg der FCK erstmals aus dem Oberhaus ab. Unvergessen sind die Tränen des Andy Brehme an der Schulter von Rudi Völler – stellvertretend für das Leid der gesamten Pfalz. Doch der FCK kehrte wie Phönix aus der Asche zurück und schrieb mal wieder ein dickes Kapitel Kickhistorie: Deutscher Meister 1998 als Aufsteiger unter Otto Rehhagel. Das gelang vorher keinem Klub und wird aller Voraussicht nach auch nie mehr passieren. Legendär sind auch die heißen Europapokalnächte am Betze. Stellvertretend sei hier nur das überragende 5:0 im März 1982 gegen Real Madrid genannt.

Die Pfälzer schafften es trotz der Erfolge in den 1990ern nicht, sich in der Bundesliga zu etablieren. Zwei weitere Abstiege (2006, 2012) drückten auf das urige Gemüt. 2013 scheiterte man in der Relegation an der TSG Hoffenheim, so dass Kaiserslautern jetzt im sechsten Jahr hintereinander und – so sieht es momentan aus -  auch letztmals auf der Zweitligamatte turnt, denn so schlimm war es am Betze noch nie bestellt. Der FCK ist abgeschlagen Schlusslicht. Ganze zwölf Punkte aus achtzehn Partien bereichern das magere Konto (einer davon ist vom Hinspiel datiert, als Wilson Kamavuaka nach einem 0:1-Defizit mit seiner Egalisierung dem SV98 zumindest noch ein Unentschieden rettete). Ein Premierenabstieg in die Drittklassigkeit kann prinzipiell nur eine Sensationsrückrunde verhindern. Sieben Zähler Rückstand sind es zur Relegationssprosse.

Dort sitzen und bangen die Lilien. Allein diese Tatsache sagt alles über die Wertigkeit des kommenden Südwest-Schlagers aus. Das Bölle ist restlos ausverkauft. Die Kulisse bildet ergo einen würdigen Rahmen für diesen prickelnden Wegweiserfight. Noch nie konnte der FCK im altehrwürdigen Stadion an der Nieder-Ramstädter Straße gewinnen. Ganz Südhessen drückt selbstverständlich die Daumen, dass diese Statistik nicht nur hält, sondern „ausgerechnet“ im 13. Spiel das „dreckige Sieglosdutzend“ endlich verschrottet und wieder die Erfolgsspur gefunden wird. 

 

Vier Tage darauf gastiert der Sportverein im Rahmen des 20. Zweitligaspieltags beim nächsten Kultklub auf St. Pauli. Auch am Millerntor überschatten in dieser Saison Sorgenfalten die Szenerie. Seit (Zettel-) Ewald Lienen seinen Trainerstuhl gegen einen Schreibtischsessel ausgetauscht hat, läuft es bei den Kiezkickern nicht mehr richtig rund. Nachfolger Olaf Janssen musste in der Vorrundenendphase nach einem demoralisierenden 0:5 in Bielefeld abdanken. Jetzt schwingt Markus Kauczinski das coachende Zepter nahe der Reeperbahn und versucht, den relativ dünnen Vorsprung zu den gefährdeten Sphären (aktuell fünf Punkte vor den Lilien) zu stabilisieren. Doch es ist zu befürchten, dass St. Pauli erneut ein dornenreicher Weg bis zum erstrebten Happyendziel bevorsteht.

Zieht man die zurückliegenden drei Begegnungen in Betracht, kann der Sieger eigentlich nur Sportverein von 1898 lauten. Im Dezember 2014 glückte den Lilien dank der goldenen Bude von Fabian Holland (bis heute einziges Pflichtspieltor des Defensivspielers im blau-weißen Dress) der erste Sieg am Millerntor. Mit dem gleichen Minimalpositivergebnis perfektionierte das Team von Dirk Schuster ein halbes Jahr später am Bölle das unvergessene Durchmarschwunder. Niemand wird die entscheidende Freistoßeinlochung von Tobi Kempe jemals vergessen. Und auch im Hinkampf der laufenden Runde gab es für die Kiezkicker nichts zu erben. Unter dem Bölle-Flutlicht herrschte Hamburger Schmuddelwetter, was jedoch nur den Hausherr beflügelte. Kevin Großkreutz, Kempe per Strafstoß und der kurz zuvor eingewechselte Yannick Stark schickten die demoralisierenden Paulianer mit einem glatten 3:0 zurück an die Waterkant. Selbstredend, dass für Sonntag der vierte 98er-Sieg in Serie ohne Gegentor auf dem Wunschzettel notiert ist. 

Alle Partien vom 19. und 20. Zweitligaspieltag:

Di 23.01.  20.30

VfL Bochum – MSV Duisburg 18.30, FC Ingolstadt – SV Sandhausen, 1. FC Nürnberg – Jahn Regensburg, Holstein Kiel – Union Berlin

Mi 24.01. 18.30

SV Darmstadt 98 – 1. FC Kaiserslautern

Mi 24.01. 20.30

1. FC Heidenheim – Eintracht Braunschweig, Fortuna Düsseldorf – Erzgebirge Aue, Arminia Bielefeld – Spvgg Greuther Fürth

Do 25.01. 20.30

Dynamo Dresden – FC St. Pauli

 

Fr 26.01. 18.30

Union Berlin – 1. FC Nürnberg, Jahn Regensburg – FC Ingolstadt

Sa 27.01. 13.00

Spvgg Greuther Fürth – Holstein Kiel, 1. FC Kaiserslautern – Fortuna Düsseldorf, MSV Duisburg – 1. FC Heidenheim

So 28.01. 13.30

FC St. Pauli – SV Darmstadt 98, SV Sandhausen – Dynamo Dresden, Erzgebirge Aue – Eintracht Braunschweig

Mo 29.01. 20.30

VfL Bochum – Arminia Bielefeld

Medien

Letzte Änderung amMontag, 22 Januar 2018 15:11
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