log in

2. Bundesliga

A+ A A-

Der SV98 will den Zebrastreifen ohne Blessuren überqueren

Artikel bewerten
(0 Stimmen)

Man konnte die Steine praktisch fallen hören, die dem Trainerstab, der Mannschaft, den Verantwortungsträgern und allen Fans von den blau-weißen Herzen fielen. Nach dem 1:0-Befreiungsschlag auf St. Pauli hofft der SV Darmstadt 98  kommenden Sonntag zu Hause gegen den MSV Duisburg auf einen weiteren Sieg, um im rettenden Hafen den Anker zu werfen (Anstoß 13Uhr30 am Bölle).

Der Druck vor dem Kick-off im berühmten Hamburger Vergnügungsstadtteil war  sicherlich enorm: 24 Stunden zuvor auf einen direkten Abstiegsplatz abgestürzt, vor der Winterpause zwölf Partien in Serie ohne Sieg, mit Ausnahme der ersten Halbzeit des abgebrochenen Matchs gegen den 1. FC Kaiserslautern (neuer Termin Mittwoch, 21. Februar) wenig Wettkampfpraxis vor allem für die Neuzugänge Jones, Ji, Medojevic und Bregerie (eigentlich zählt auch Peter Niemeyer nach langer Verletzungspause in diese Kategorie). Doch die Lilien stornierten am Millerntor nicht nur alle ungünstigten Vorzeichen, sondern feierten mehrere positive Comebacks: Erster Sieg für Schuster im zweiten „echten“ Übungsleitereinsatz nach seiner 98er-Renaissance, das dreckige Sieglosdutzend ad acta gelegt, erstes Spiel ohne Gegentor seit dem Hinspiel gegen St. Pauli (3:0) und zweiter Saisonauswärtsdreier.

Über allem thront allerdings die Rückkehr in die Erfolgsspur, die extrem wichtig für Moral und Selbstvertrauen war. Auch tabellarisch ist wieder Land in Sicht. Zwar hockt der Sportverein noch auf der Relegationsstufe, aber jetzt mit einem viel angenehmeren Kontakt zum Nichtabstiegsareal (ein Punkt nur noch schwach und das mit einer Begegnung weniger als die Konkurrenz). Natürlich flutschte auf dem Kiez noch nicht alles perfekt. Eine Portion Glück und ein überragender Keeper Heuer Fernandes halfen mit, den Ergebnisnegativbock endlich umzustoßen. Doch die altbekannten Schuster-Tugenden (defensiv stabil stehen und vorne die wenigen Chancen konsequent nutzen) griffen und schüren die Zuversicht, dass der Weg baldigst aus dem Keller in die gesicherten Regionen führt.

Am nächsten Sonntag bekommen die Lilien mit dem MSV Duisburg allerdings einen schwer zu stemmenden Brocken vorgesetzt. Vergangene Saison trennten die beiden blau-weißen Traditionsvereine noch zwei Klassen. Nach dem Heinerabstieg aus der Bundesliga und dem Meidericher Wiederaufstieg in Liga Zwei ist das alte Rivalentandem erstmals seit der glorreichen 98er-Drittliga-Runde 13/14 wieder gemeinsam auf ein und demselben Kicklevel unterwegs. Damals führte der Sportverein die Zebras zweimal auf die sprichwörtliche Schlachtbank. Das 4:0 an der Wedau (Tore Toni Sailer, „DSE“, Aytuc Sulu und Marcel Heller) löste einen ungeahnten Darmstädter Höhenflug aus, der im Bölle-Rückkampf mit einem 1:0 (Dominik Stroh-Engel verwandelte fünf Minuten vor dem Abpfiff einen Foulelfmeter) weiter euphorisiert wurde. Wenige Wochen später landete der SV98 in der Relegation und wie dieses Märchen endete, muss man hier wohl nicht mehr erläutern.

Doch das war vorgestern und die Gegenwart spricht vom Papier her eher für die auf jeden Fall mit ganz breiter Brust auflaufenden Zebras. Der MSV reist als bärenstarker Neuling mit einem fetten Empfehlungspaket an: Position Fünf im Ranking, viertbestes Auswärtsteam (schon fünf „Dreier“ auf des Gegners Terrain) und seit fünf Spielen unbezwungen. Die Fahrstuhlzeit scheint an der Wedau erstmal vorbei zu sein (es sei denn, es gelingt ein sensationeller Durchmarsch nach oben). So oder so hat die kickende Pottikone in Liga Zwei wieder glänzend Fuß gefasst und scheint an ihre früheren Tugenden anzuknüpfen. 

Die älteren Fans wissen natürlich, dass die seinerzeit noch als Meidericher Spielverein trabenden Zebras 1963 als Bundesligagründungsmitglied glänzten und gleich in der ersten Saison die Vizemeisterschaft einheimsten. 19 stolze Jahre hielt sich der MSV im Oberhaus, ehe man 1982 – übrigens zusammen mit dem SV98 – erstmals einen Stock tiefer musste. Seitdem wandelt Duisburg zwischen Erst- und Drittklassigkeit hin und her. Aktuell ergo wieder in der „goldenen Mitte“ auf dem Zweitligapräsentierteller, weil Coach Ilia Gruev (seit November 2015 im Amt) den Abstiegsbetriebsunfall 2016 zwölf Monate darauf konsequent reparierte.

Zweiundzwanzig Duelle lieferten sich Lilien und Zebras ab dem legendären 98er-Bundesligadebüteinzug 1978. Gleich die Premiere im Wedaustadion verlief äußerst spektakulär. Acht Tore sahen die begeisterten Zuschauer im Ruhrgebiet, wo Uwe Hahn nach einem 2:4-Rückstand noch per Schlussphasendoppelpack zum 4:4 egalisieren konnte. Am Bölle gewann die Meidericher lediglich zwei von zehn Versuchen (lang ist´s her, beide im Kalenderjahr 1984). Die Plus-Statistik möchten die Lilien jetzt ausbauen bzw. wie schon auf St. Pauli den Vorrundentriumph (2:1-Sieg nach Toren von Marvin Mehlem und Yannick Stark) wiederholen und auch gegen den MSV die komplett mögliche Saisonbeute einfahren.

Alle Partien vom 21. Zweitligaspieltag:

Fr 02.02. 18.30

Fortuna Düsseldorf – SV Sandhausen,1. FC Nürnberg – Erzgebirge Aue

Sa 03.02. 13.00

FC Ingolstadt – Spvgg Greuther Fürth, 1. FC Heidenheim – FC St. Pauli, Holstein Kiel – Jahn Regensburg

So 04.02. 13.30

SV Darmstadt 98 – MSV Duisburg, Eintracht Braunschweig – 1. FC Kaiserslautern, Dynamo Dresden – VfL Bochum

Mo 05.02. 20.30

Arminia Bielefeld – Union Berlin

 

 

 

Medien

Letzte Änderung amSonntag, 04 Februar 2018 17:58
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten