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2. Bundesliga

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Tief im Westen stehen beide Mannschaften unter Zugzwang

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Nach dem quittierten Heimdämpfer gegen die Duisburger Zebras komplettiert der SV Darmstadt 98 mit zwei Auswärtsaufgaben seine „Wild West – Trilogie“ gegen Traditionskollegen aus NRW. Vor der erstmaligen Rückkehr auf die „glorreiche“ Bielefelder Alm (17.02.) müssen die Lilien am kommenden Freitagabend zunächst in einem ganz wichtigen Duell beim Klassenerhaltsnebenbuhler und am Mittwochabend erneut den Trainer wechselnden VfL Bochum Farbe bekennen (Anstoß 18.30 im Ruhrstadion „anne Castroper“).  

Die Tabelle lügt bekanntlich nicht und wirft vor dem blau-weißen Ligaverbleibfight den westfälischen Hausherr als Vierzehnten (23 Punkte) und den südhessischen Gast als Sechzehnten (22 Zähler, allerdings mit einem Spiel weniger) aus. Das alleine unterstreicht die Brisanz der kommenden Begegnung, in der zweifellos Big Points für einen weiteren Zweitligakontrakt verteilt werden. Neben der richtigen Einstellung sind hüben wie drüben also gute Nerven gefragt, um einen essenziellen Schritt aus dem Klassementkeller hinzulegen.

Trainer Dirk Schuster, unter dessen noch kurzer Comeback-Ägide der Sportverein trotz der beiden (in der Entstehung vermeidbaren) Gegentore an Defensivstabilität und durch die „Doppel-J“ Neuverpflichtungen Ji und Jones auch an Offensivkreativität zugelegt hat, wird seine Mannschaft wie gewohnt akkurat auf den schwierigen Job vorbereiten und hofft, dass der zurückliegende Ergebnisrückschlag das angestrebte Klettern in die gesicherte Region nur kurz stagnieren ließ. Schon bei einem Unentschieden gegen den Bochumer Ruhrgebietsnachbarn aus Duisburg wären die Lilien als besser postiertes und vor allem über den Strich notiertes Team in den Pott gereist. Aber Nachkarten hilft bekanntlich herzlich wenig und so gilt es, die am vergangenen Sonntag versäumte Punktesammlung postwendend wieder zu aktivieren.

Beim Verein für Leibesübungen von 1848 sieht es ungeachtet des klitzekleinen tabellarischen Vorsprungs momentan viel schlimmer aus. Und das liegt nicht nur an der sportliche Krise (alle drei Spiele nach der Winterpause ohne einen eigenen erzielten Treffer verloren!), sondern noch mehr an den internen Querelen hinter den Kulissen: Bis Mittwoch drei Saisontrainer (dem zwei Wochen vor Rundenbeginn! beurlaubten Gertjan Verbeek folgten Ismael Atalan und Jens Rasiejewski), eine höchst umstrittene Transferpolitik von Sportvorstand Christian Hochstätter und ein hemmendes Neben- statt Miteinander auf der Führungsebene. Das alles trug nicht unbedingt zu einem konstruktiven Kader-Spirit bei und lässt befürchten, dass die „Blume vom Revier“ erstmals seit 1965 in die Drittklassigkeit abdriftet. Am Mittwochabend überschlugen sich dann die Ereignisse. Jens Rasiejewski und Christian Hochstätter wurde das Vertrauen entzogen und das Arbeitspapier in die Hand gedrückt. Ab sofort fungiert Sebastian Schindzielorz als neuer Sportvorstand und gegen die Lilien betreut der bisherige "Co" Heiko Butscher das Team als vierter VfL-Saisonübungsleiter. 

Von der ruhmreichen Vergangenheit, als man mit einem Doppelpass jeden Gegner nass machte, ist momentan nicht mehr viel übrig geblieben. Trotz einigen erstklassigen Episoden in der alten Oberliga West reichte es für eine Starterlaubnis in der 1963 gegründeten Bundesliga im Schatten der übermächtigen Schalker zunächst nicht aus. Man musste den Umweg über die Verbandsliga Westfalen wählen, um 1965 erst in die Regionalliga und dann 1972 mit dem legendären Goalgetter Hans Walitza endlich in die neue Beletage aufzurücken. Dort verteidigte der VfL lange seinen „unabsteigbaren“ Mythos. Jahr für Jahr glückte oft auf dem letzten Drücker das Happyend (einige Male mit der kürzlich verstorbenen Trainerikone Rolf Schafstall), ehe 1993 trotz allem Grubengold Schicht im Schacht war und die Umgestaltung zur Fahrstuhltruppe Gestalt annahm.

Bis 2011 gelang nach einem Absturz immer der sofortige Wiederaufstieg. Als seit vor über sechseinhalb Jahren die Gladbacher Fohlen in der Relegation den längeren Atem bewiesen, fokussiert sich Bochum auf eine Dauerpräsenz in Liga Zwei und kämpft wegen den aufgeführten Ursachen nun sogar gegen eine Verbannung in die dritte Etage. Das gleiche Ziel verfolgt der SV98. Im Hinspiel kassierten die Lilien ihre erste Saison- respektive die allererste Heimpleite (1:2) gegen die Kicker aus der so inbrünstig von Herbert Grönemeyer besungenen Stadt mitten im Pott (in den drei Vergleichen zuvor am Bölle hatten die Südhessen immer die Nase vorne).

„Anne Castroper“ ist die Bilanz ausgeglichen (je ein Sieg, Unentschieden und Niederlage). Die Gesamtstatistik spricht ergo immer noch für den Sportverein. Dem vierten 98er-Auftritt nahe dem Himmelbett für Tauben kommt nun eine enorme Wertigkeit zuteil. Revanche für das verlorene Hinrundenduell steht auf dem Wunschzettel. Wir werden am Freitagabend sehen, wohin der Hase läuft. Von einem Überholmanöver ins gelobte Klassenerhaltsland bis zum Worst Case - Szenario (Vierpunkterückstand auf den VfL) ist alles möglich…

Fr 09.02. 18.30

VfL Bochum – SV Darmstadt 98, 1. FC Kaiserslautern – Holstein Kiel

Sa 10.02. 13.00

Union Berlin – Fortuna Düsseldorf, MSV Duisburg – Arminia Bielefeld, Jahn Regensburg – 1. FC Heidenheim

So 11.02. 13.30

Spvgg Greuther Fürth – Dynamo Dresden, SV Sandhausen – Eintracht Braunschweig, Erzgebirge Aue – FC Ingolstadt

Mo 12.02. 20.30

FC St. Pauli – 1. FC Nürnberg

 

Medien

Letzte Änderung amDonnerstag, 08 Februar 2018 08:10
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