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SCV vs. VfB – „Neues Derby“ zum Hessenligaauftakt

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Am Freitagabend endet der Winterschlaf auf Hessens höchster Amateurebene. Mit einem Potpourri von interessanten Nachbarschaftsvergleichen startet das Oberhaus in die Saison 17/18. Auch am Hegelsberg, wo der der „alte Hessenligahase“ Viktoria Griesheim mit dem VfB Ginsheim einen Newcomer empfängt (Anstoß 19Uhr15). 

Insgesamt siebzehn Vereine haben ein Ticket für die jetzt beginnende Spielzeit ergattern können (also genau so viele wie zur vergangenen Runde). Verabschiedet haben sich nach oben Eintracht Stadtallendorf (gibt dank des Aufstiegsverzichts von Meister Hessen Dreieich sein Regionalligadebüt) und nach unten in die Verbandsligen Rot-Weiß Darmstadt, Viktoria Kelsterbach und Viktoria Urberach sowie Sportfreunde Seligenstadt, das aus wirtschaftlichen Gründen freiwillig adieu sagte und in der Frankfurter Gruppenliga einen Neubeginn vor der Brust hat.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                         Diese Verluste fangen Teutonia Watzborn-Steinberg (zurück nach einem einjährigen Premierenabenteuer in der Regionalliga) und die Aufsteiger Buchonia Flieden (sofortige Rückkehr), SC Waldgirmes (Comeback nach vier Jahren Verbandsligaexil), Spvgg Neu-Isenburg (erstmals seit 1977 wieder in Hessens guter Stube) sowie der absolute „Frischling“ auf. Der VfB Ginsheim wagt wie bereits erwähnt erstmals diesen Schritt und gibt in Griesheim seine im Umfeld mit Hochspannung erwartete Hessenligapremiere.

Als Meisterschaftsfavoriten werden vor allem Watzenborn (hat sich adäquat verstärkt, u.a. mit Drittligaspieler Matthias Henn von Hansa Rostock) und Titelverteidiger Hessen Dreieich gehandelt. Auch Borussia Fulda, TSV Lehnerz, RW Hadamar und FSC Lohfelden sind Kandidaten für das obere Tabellendrittel. Im Falle RW Frankfurt (scheiterte zweimal hintereinander in der Aufstiegsrelegation) muss man abwarten, wie der enorme personelle Aderlass kompensiert wird.

Der SC Viktoria geht in seine sechste Hessenligasaison en block. Insgesamt ist es sogar die neunzehnte Teilnahme auf diesem Level (erstmals 1977). Diesbezüglich sind die Griesheimer ihrem Auftaktgast selbstverständlich um Fußballwelten voraus, was auf der anderen Seite ebenso natürlich noch keinen Ergebnisselbstläufer garantiert. Ginsheim wird inklusive vieler Anhänger mit einer für einen Neuling typischen Euphoriewelle in die Zwiebelstadt surfen. Das Duell wurde vom Spielplangestalter - wie aus den vergangenen Jahren gewohnt - als eines von vielen Derbys gleich zur Ouvertüre angesetzt, damit dem Eröffnungsspieltag möglichst viele Zuschauer beiwohnen. Fast schon genau so Usus ist es, dass die Rückspiele bereits am vierten Spieltag (18./19.08.) stattfinden und die eventuellen Verlierer ergo eine schnelle Revanche anpeilen können.

Ob man den Begriff Derby für das Duell Viktoria vs. Ginsheim überhaupt  begriffskonform gelten lassen kann, lassen wir mal im Raum stehen. Zwar gehören beide Klubs zum Fußballbezirk Darmstadt, aber das Mainspitzdreieck bildet die nordwestliche „Grenze“ dieser Region und deshalb trennt die beiden Gemeinden ca. dreißig Autobahnkilometer. Außerdem sind Vergleichswerte zwischen beiden Klubs aus der jüngeren Vergangenheit äußerst rar gesät. Auf der Punktspielbühne kreuzten SCV und VfB lediglich in der Verbandsligasaison 11/12 die Klingen. Damals gewann der Sportclub beide Partien (2:0 auswärts bzw. 1:0 zu Hause) und feierte am Rundenende die Meisterschaft respektive den Hessenligaeinzug, während die Kicker vom Altrhein nach ihrem ersten VL-Intermezzo sofort wieder in die Gruppenliga abstiegen.

Dort übernahmen Carsten Hennig (kehrte nach einer langen höherklassigen Laufbahn – absolvierte u.a. drei Zweitligabegegnungen für die Frankfurter Eintracht – schon 2009 in seine Heimat zurück) und Artur Lemm das (Spieler)Trainerzepter. Durch die Installation dieses erfahrenen Duos war der Grundstein für den sportlichen Aufschwung fundamentiert. Bereits 2014 glückte das Verbandsligacomeback und am Ende der vorigen Saison wurde der größte Coup der Klubhistorie perfekt gemacht. Zum Showdown hielt der VfB durch ein 3:1 am Alsbacher Hinkelstein den größten Konkurrenten Spvgg Neu-Isenburg, der später in der Relegation nachzog, auf Distanz und kletterte als VL-Champion erstmals in die Hessenliga hoch.

Ginsheim legte eine ordentliche Vorbereitung auf das Parkett und fühlt sich gewappnet, den knallharten Kampf um den Klassenerhalt zu bestehen. Das identische Planziel hat der SCV als Minimalvorgabe in seiner Vita notiert. Am Hegelsberg hofft man auf eine Positionierung im sogenannten sicheren Mittelfeld. Auch Coach Suat Türker ist vor seiner zweiten alleinverantwortlichen Runde zuversichtlich, dass der Griesheimer Dauerbrennerjob in der Hessenliga ungeachtet der Tatsache, dass etliche Leistungsträger ihre Zelte abbrachen, eine Fortsetzung findet.

Viele verdiente Kicker kehrten dem Sportclub den Rücken. U.a. nahm der dienstälteste Spieler Jean-Marie Starck (war seit Beginn der Aktivenkarriere 2009 prinzipiell durchgehend Stammspieler) seinen Hut und heuerte bei seinem Heimatverein SV Ho (auf Hochdeutsch Hahn) an. Neben ihm wechselten auch Burak Bilgin und Keeper Robin Schwarz zum Kreisoberligisten in den Pfungstädter Stadtteil.

Doch die externen Neuzugänge (z.B. der letztjährige Verbandsligatorschützenkönig Ibrahim Cigdem von Vatanspor Bad Homburg, der früher konstant für die Turnerschaft Ober-Roden knipsende Yves Böttler, Jongin Park vom Frankfurter Brentanobad, der Urberacher Oliver Schumacher oder Goalie Daniel Duschner) sind qualitativ bestimmt nicht von schlechten Eltern. Hinzu gesellen sich viele hungrige Talente aus der bekannt guten Nachwuchsabteilung. Ihre Frühform bewies die Griesheimer Mannschaft durch den Turniersieg beim Merck-Cup auf dem Gelände von RW Darmstadt (3:1 im Finale gegen den Gastgeber) und beim 7:2 im abschließenden Härtetest gegen den ambitionierten Kreisoberligisten Türk Gücü Rüsselsheim.

Alle Partien vom 1. Hessenligaspieltag:

Fr 28.07.

SV Steinbach – TSV Lehnerz 18.30, KSV Baunatal – OSC Vellmar 19.00, Viktoria Griesheim – VfB Ginsheim 19.15, SC Hessen Dreieich – FC Ederbergland 19.30, Rot-Weiß Hadamar – Rot-Weiß Frankfurt 20.00

Sa 29.07.

Bayern Alzenau – FSC Lohfelden 15.00, SC Waldgirmes – Teutonia Watzenborn-Steinberg 15.00, Buchonia Flieden – Borussia Fulda 17.30

Spielfrei: Spvgg Neu-Isenburg

Letzte Änderung amMittwoch, 26 Juli 2017 19:09
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